22.4.15

Trockenessen selbstgemacht

Es gibt nicht viele Dinge, die einen hungrigen Wanderer mehr quälen als der Geruch von in Olivenöl brutzelndem Knoblauch und Steak – ganz besonders, wenn man selbst nach einer 10tägigen Wanderung vor einem Teller kalter Spaghetti ohne Soße sitzt. Ich weiß das, denn genau so saß ich mit einer Freundin vor ewigen Jahren auf dem North Boundary Trail in den Rocky Mountains da. Die ganzen zehn Tage lang hatten wir von Energieriegeln und Pasta gezehrt, für die wir aus Suppenpulver Soße machten, bis wir am letzten Tag keine mehr hatten. Dann hieß es, Spaghetti pur zu essen, und kalt obendrein, da sie uns beim Abgießen in den Dreck gefallen waren. Das war der Moment, als ich mir beim verführerischen Knoblaucharoma von jemandem schwor, der den Trail gerade von der anderen Richtung begonnen hatte, in Zukunft unterwegs besser zu essen. Zudem ist es kein Spaß, Spaghetti für zehn Tage zu schleppen.

Fast zwanzig Jahre später:
 

Nein, das ist kein mutierter Schleimschimmel, sondern: Joghurt! Und zwar mein völlig erfolgloser Versuch, Joghurt zu trocknen. Getrocknet ist er zwar und hat sich verzweifelt am Backblech festgeklammert (man soll wohl Backpapier verwenden, aber da ist hier im Wald recht schwer dranzukommen).

Das Problem war, dass er später nicht wieder richtig Konsistenz annehmen wollte. Widerspenstige Klümpchen wollten sich nicht auflösen, und das ganze schmeckte wie Wasser mit Joghurtgeschmack. Da ich nicht allzu verzweifelt danach lechze, beim nächsten Kajaktrip Joghurt löffeln zu können, habe ich’s nicht noch mal versucht und bin lieber bei meinen bewährten Zutaten geblieben. Tomatensoße trocknet ähnlich wie Fruchtleder und hält sich jahrelang, wenn man sie kühl und trocken lagert:


Ich mache mir nie die Mühe, vor dem Trocknen richtige Tomatensoße zu kochen, sondern würze einfach das Tomatenmark, das ich dann dünn auf einem Backblech verteile. Ein paar Stunden später ist es fertig. (Ganze Rezepte und detaillierte Anleitungen findet ihr hier nicht, nur ein paar Anregungen zum Essentrocknen. Einen Apparat braucht man sich dafür nicht extra zu kaufen – experimentiert einfach mit euerm Ofen auf niedrigster Stufe.)
Erbsensuppe funktioniert auch gut und wird zu kleinen Bröseln, die man mit der Kuchenrolle auch pulverisieren könnte. Doch die Brösel lösen sich in Wasser wieder völlig auf. Bohnen für Chili und Tortillas lassen sich ebenso leicht trocknen.


Vorgebratenes Elchhackfleisch ist schnell zu trocknen und sehr praktisch: Ich kann es unterwegs der Tomatensoße oder Bohnen beigeben, oder es mit Curry würzen. Das Schöne daran, sein eigenes Campingessen zu trocknen, ist nicht nur, dass man weiß, es macht einen satt, sondern es schmeckt auch (und kostet nur einen Bruchteil der kommerziellen Packungen).


Auch vom Elch stammt das Trockenfleisch, das sich als Snack eignet und auch eine gute Zugabe für andere Mahlzeiten ist:


Wenn ihr dieses Jahr campen gehen wollt - warum nicht euer getrocknetes Lieblingsessen mitnehmen?

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