19.1.16

Das hat sich gewaschen

Die braune Seifen- und Stoffsuppe dampft auf dem Holzofen und parfümiert das Winteraroma der Cabin aus Hund und Asche mit einer Unternote aus Waschsoda. Ich hieve den schweren Topf vom Ofen auf den Boden und mache mich mit dem Toilettenentstopfer ans Werk – das einzige Werk, das dieser Pümpel kennt, da unser Plumpsklo unverstopfbar ist. Man kann auch extra für die Handwäsche hergestellte Saugglocken kaufen, aber ich finde, das Klempnerwerkzeug funktioniert hervorragend.


Mit leisen Pupsgeräuschen saugt es das immer dreckiger werdende Wasser durch den Stoff, löst die Schmutzpartikel heraus. Das ist der entspannende … nein, ich kann es nicht „spaßige“ Teil nennen … der Winterwäsche. So gut ich kann wringe ich das Wasser heraus. Nun gibt es kein Zurück mehr vor dem Spülgang. Spülgang wohl deswegen, weil ich so oft mit einem Eimer zwischen See und Cabin hin und her gehen muss.
Ich gieße Wasser und Eisstücke, die vom Aufhacken des Lochs auf dem See kommen, über die Wäsche, rühre und drücke die Kleidung, wringe sie aus, und so weiter und so fort. Fünf oder sechs Mal das Gleiche, und dann kommt das Schwierigste: Bei -10°C und kälter wird der nasse Haufen Wäsche immer unwilliger, sich von der Spülkiste, und die einzelnen Teile untereinander sich voneinander zu trennen. Lange Unterwäsche klebt wie Klett an Socken fest und Hemden an den Wänden der Spülkiste. Mit einem faserigen Seufzen geben sie meinen immer hektischer werdenden Händen nach.
Ein letztes Mal wringe ich jedes Kleidungsstück aus, schneller und schneller, bevor ich es über die Wäscheleine drapiere. Der Stoff beginnt noch in meinen Händen zu gefrieren. Im Zeitlupentempo tropft Wasser von den Enden und wird vor meinen Augen zu Eiszapfen. Wie üblich verliere ich schließlich den Kampf, die Wäsche so aufzuhängen, dass nicht eine Seite des Kleidungsstücks an der anderen festfriert. Wäscheklammern wären praktisch, denke ich – wie schon seit elf Wintern. Gedanken, die bisher noch nicht zum Kauf oder zur eigenen Herstellung von Wäscheklammern geführt haben.

Natürlich kann die Wäsche draußen nicht trocknen. Im Winter wird die Wäscheleine zu einer Art Außenkleiderschrank, einem Stauraum, aus dem ich Hemden, Hosen, Socken und lange Unterwäsche peu à peu hereinhole. Vor der Haustür knicke ich die Eiszapfen ab. Die gefrorene Wäsche sieht immer aus, als würde sie lieber draußen bleiben: Hemden strecken stumm die gefrorenen Ärmel nach ihren noch hängenden Kumpanen aus und weigern sich, brav über meinem Arm zu liegen. Ich zwänge sie durch die durch und falte sie über die Trockenleinen hinter den Öfen, wo sie die Form verlieren und tropfen.
Erst wenn die Wäsche endlich trocken ist, kann ich der ganzen Prozedur etwas abgewinnen. Ich schnuppere am sauberen Geruch der Kleidung, wenn ich sie in den Schrank lege, und vermeide tunlichst, an den schon wieder wachsenden Berg Schmutzwäsche zu denken.

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