30.10.17

Morgenstund hat Gold im Mund

Mal mehr, mal weniger. Diese jedenfalls war so golden (und viel hübscher als eingekochte Würstchen), dass ich sie auf meinen Blog schwappen lasse.
Jeden Morgen zu Sonnenaufgang machen der Hund und ich unsere Runde in die Bucht, um unsere Biber zu besuchen. Die sind noch fleißig dabei, frische Äste in ihr Floß von Winternahrung zu stecken und ihr riesiges Biberschloss weiter auszubauen. Uns kennen sie und lassen sich nicht weiter bei der Arbeit stören.
Die Sonne hängt jeden Tag ein Stückchen tiefer im Himmel, und später im Wald bekommt der alte Bananarama-Song "Walking on sunshine" bei dem schrägen Sonnenlicht eine ganze neue Bedeutung. Glücksmomente.

28.10.17

Nicht zur Nachahmung empfohlen



Ich hoffe, ihr starrt nicht mit dem Gedanken „Das sind doch nicht … eingekochte Pimmel?!“ auf euern Bildschirm.

Sind es nämlich nicht, wobei sie sich, als ich das Glas aus dem Dampfdruckkochtopf nahm, interessanterweise alle senkrecht und geschwollen gegen das Glas drückten. Und als mein Lachanfall so weit abklang, dass ich das Vakuum im Glas brechen konnte, indem ich den Deckel abhebelte, sanken sie sofort in sich zusammen und wurden zu den schlaffen Würstchen, die ihr hier seht. Das sind es nämlich: Würstchen.

Kurz bevor ich Mitte Oktober nach Hause zurückkehrte, habe ich noch ein paar letzte Sachen für den Winter eingekauft und bekam im Supermarkt plötzlich Heißhunger auf Erbsensuppe mit Würstchen. Also kaufte ich zwei Packungen. Tja, und vor ein paar Tagen war dann das Elchfleisch, das ich bei dem Trip aus unserer Tiefkühltruhe im nächsten Dorf mitgebracht hatte, so weit aufgetaut war, dass es eingekocht werden musste.

Dieses Jahr haben wir nämlich keinen Elch geschossen. Da ich so lange fort war, haben wir gerade noch genügend Fleisch vom letzten Jahr, um damit bis zur nächsten Jagdsaison hinzukommen. Letztes Jahr hatten wir den Elch nur ein paar Tage geschossen, bevor Chris mich für meine Bärenmutterzeit zu meiner Weiterreise nach Smithers bis Skagway brachte. Fürs Einkochen war keine Zeit geblieben, das ganze Fleisch landete im Dorf in der Gefriertruhe. Diese Woche wollte ich mich nun also endlich ans Einkochen machen.   

Unpraktischerweise war zuletzt nur noch Fleisch für zwei Gläser übrig. Um den letzten Durchgang Einkochen etwas effektiver zu gestalten, dachte ich mir, einfach mal Würstchen einzukochen zu probieren. Eingekocht wären sie schließlich ganz praktisch, da unser Erdkeller im Sommer keine Kühlschranktemperaturen schafft. So, wie dieses Experiment ausgegangen ist, kann ich allerdings keine zuhause eingekochten Würstchen in unserer Zukunft sehen!

16.10.17

Her mit der Dunkelheit



Und so neigt sich nun das Jahr dem Ende zu. Es ist ein intensives Jahr voller neuer Erfahrungen gewesen, die mich seelisch und körperlich erschöpft haben. Als ich letzte Woche von einer ungeplanten Deutschlandreise nach einem Notfall in der Familie zurück nach Kanada flog, starrte ich auf die weiße Leere der Grönlandeiskappe, auf Bylot und Baffin Island, und die abweisende Schönheit der Barrens hinunter, die sich unter dem Flugzeug ausbreitete. Eine solch unberührte Landschaft spendet eine seltsame Art von Trost; vielleicht das Versprechen, dass das Land immer da sein wird, egal was passiert.

Als ich schließlich mit mehr als 500 Kilo Lebensmitteln und Versorgungsgütern daheim ankam und das Buschflugzeug über den See verschwand, drang die Stille in mich ein. Wildnis ist meistens ein sehr stiller Ort. Es fühlt sich an, als ob sie mich wieder aufbiegt und aufrichtet, die ganzen Sinne belebt, die ich in der Zivilisation automatisch abblocke.

Chris ist für die nächsten Monate auf Reisen, nachdem er hier ja Eremit gespielt hat, während ich mich um die verwaisten Schwarzbärchen gekümmert habe. Nur der Hund und ich bevölkern jetzt unser einsames, wildes Reich. Ich beginne, den Tagen ihre altbekannte Form zu geben: vom See Wasse hoch zu schleppen, Holz zu hacken, lange Spaziergänge zu machen, nach Fährten zu suchen, zu lesen, zu schreiben. Die Außenwelt bin ich noch immer müde. Nur her mit der Dunkelheit, der Winter soll kommen.