16.10.17

Her mit der Dunkelheit



Und so neigt sich nun das Jahr dem Ende zu. Es ist ein intensives Jahr voller neuer Erfahrungen gewesen, die mich seelisch und körperlich erschöpft haben. Als ich letzte Woche von einer ungeplanten Deutschlandreise nach einem Notfall in der Familie zurück nach Kanada flog, starrte ich auf die weiße Leere der Grönlandeiskappe, auf Bylot und Baffin Island, und die abweisende Schönheit der Barrens hinunter, die sich unter dem Flugzeug ausbreitete. Eine solch unberührte Landschaft spendet eine seltsame Art von Trost; vielleicht das Versprechen, dass das Land immer da sein wird, egal was passiert.

Als ich schließlich mit mehr als 500 Kilo Lebensmitteln und Versorgungsgütern daheim ankam und das Buschflugzeug über den See verschwand, drang die Stille in mich ein. Wildnis ist meistens ein sehr stiller Ort. Es fühlt sich an, als ob sie mich wieder aufbiegt und aufrichtet, die ganzen Sinne belebt, die ich in der Zivilisation automatisch abblocke.

Chris ist für die nächsten Monate auf Reisen, nachdem er hier ja Eremit gespielt hat, während ich mich um die verwaisten Schwarzbärchen gekümmert habe. Nur der Hund und ich bevölkern jetzt unser einsames, wildes Reich. Ich beginne, den Tagen ihre altbekannte Form zu geben: vom See Wasse hoch zu schleppen, Holz zu hacken, lange Spaziergänge zu machen, nach Fährten zu suchen, zu lesen, zu schreiben. Die Außenwelt bin ich noch immer müde. Nur her mit der Dunkelheit, der Winter soll kommen.  

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