1.12.17

Zugefroren

Wie es von innen im Haus aus, in der schwarzen Dunkelheit des Morgens noch im Bett liegend möglich ist zu spüren, dass der See zugefroren ist, weiß ich nicht. Vielleicht ist es eine andere Stille als sonst, die Stille von etwas Großem, das ganz und gar zum Stillstand gekommen ist.

Als es grau genug ist, gehe ich hinaus um nachzuschauen: Eis. Vorher hatte der See eine Art wässrigen Aufstiegsehrgeiz - schwappende Wellen, Gischtspritzer, dampfender Nebel, die Geräuschwellen des Klatschens der Wasserwellen - durch den er mit allem über sich verschmolz. Jetzt drückt die Leere des Himmels mit all ihrer Stille auf ihn hinab, auf das flache Stück Schorf von Eis.

Es ist aber nur eine mehrere Kilometer große Eisscholle, so lang, wie ich von hier sehen kann. In der Ferne hält sich grauer Eisnebel über noch offenem Wasser. Während sich draußen alles sehr ernst und episch anfühlt (das ist das Zufrieren des Sees immer), widme ich mich Hütte dem Ermorden der blühenden Zwergspitzmauspopulation in der Hütte. Vor ein paar Wintern hatte ich schon mal so eine Invasion, und nun sind sie wieder da. Trotz meines Widerstrebens, ihre kleinen Leben auszulöschen, steht meine Mordrate inzwischen bei acht samtenen Leichen. Es sind faszinierende Tiere, die sich wie ihre entfernten Verwandten, die Fledermäuse, per Ultraschall orientieren und ein muskellähmendes Gift im Speichel haben. Als Mitbewohner gefallen sie mir allerdings nicht, und ich hoffe, sie loszuwerden bevor der Winter den Rest des Sees versiegelt.

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