22.8.18

Big Salmon River

Wir haben die Kartoffeln und Karotten sich selbst überlassen, den Elektrozaun eingeschaltet und uns zum Big Salmon River im Yukon Territory auf Paddeltour gemacht. Mein Pirellimann-Outfit, das ich im Motorboot trage, hätte ich die erste Woche auf dem Fluss gleich anbehalten können, denn es war dermaßen kalt:


So, ich muss etwas gestehen: Ich habe zwar viel Erfahrung im Wanderkajak auf Seen, aber vor Stromschnellen graut mir. Besonders, wenn ich statt im Kajak in einem Kanu sitze, und noch mehr, wenn unser zappeliger Hund mit im Kanu sitzt. Ich habe hatte vor diesem Paddeltrip keinerlei Weißwassererfahrung, und die brenzligste Stelle des Big Salmon (der Klasse II Weißwasser hat) ist ausgerechnet gleich am Anfang - aufgestaute Baumstämme und Wurzeln, durch die jemand mit der Kettensäge ein Loch geschnitten hat. So kann man in aufregender Fahrt umrahmt von spitzen Ästen durch die freie Stelle schießen. Auf einem knapp unter der Wasseroberfläche liegenden Baumstamm saßen wir plötzlich für unendlich lange Sekunden fest, sausten dann im Zickzack an noch mehr spitzen Ästen vorbei (wobei wir dem Hund pausenlos zuriefen, liegen zu bleiben), und ich war schon bereit, mich zu Fuß auf den Rückweg zu machen. Aber nachdem mein Freund mir wiederholt versicherte, dass dies die schlimmste Stelle gewesen war, stieg ich doch wieder ins Boot. Und - er hatte recht! 

Der Rest war eher so:







Die Landschaft änderte sich jeden Tag und auch der durchsichtig klare Fluss - mal gab es Wellen und Walzen über Steinbrocken, dann Sandbänke, fast stillstehende, schläfrige Strecken und andere, wo man richtig sehen konnte, wie das Wasser bergab fließt. 




Als es endlich wärmer und dann viel zu heiß wurde, kamen die Bremsen in solchen Schwärmen, dass nicht nur unser Hund verrückt wurde, sindern wir gleich mit. Wir schwitzten so manchen Nachmittag im Zelt, nur um uns vor den Fliegen in Sicherheit zu bringen.




Ein wesentlich schönerer Anblick war dieser Luchs, der ein paar Vögeln hinterherschlich:



Als wir schließlich den Yukon River erreichten, hatte unser Hund vom Kanufahren die Nase gestrichen voll. Aber obwohl er sich gefühlt alle 30 Sekunden mit der Hälfte seines Körpers über die Reling hängte, schafften wir es bis nach Carmacks, ohne zu kentern.

Wir kamen gerade noch rechtzeitig nach Hause, um die Kartoffeln und Karotten vor dem Vertrocknen zu retten und bereiten uns nun auf den Winter vor: Die Elchjagd steht bevor. Und ich habe einen Roman zu schreiben, denn ich habe einen Buchvertrag bei einem großen deutschen Verlag bekommen!