8.9.18

Umwege


Das Leben ist voller Umwege. Einer, den ich vor 18 Jahren nicht genommen habe: Ich hatte einen Antrag für ein Stück Land eingereicht, um mir ein Haus zu bauen, und für den Fall, dass der Antrag abgewiesen wurde, hatte ich einen Plan B. Plan B war, den Pacific Crest Trail zu wandern, einen 4.240km langen Fernwanderweg, der sich von der US-mexikanischen Grenze bis nach Kanada zieht. Ich bekam das Stück Land und vertagte den PCT für später im Leben, aber meine nächsten Lebensentscheidungen waren für mehr Hunde, Katzen, Hühner, Enten und einen Umzug in die Wildnis mit meinem Freund, weg von Straßen und menschlichen Nachbarn. 

Meine PCT-Wanderführer (richtige Papierbücher, den vor 18 Jahren war eine App bloß ein Tippfehler) haben mich die ganze Zeit begleitet, meinen Blick immer wieder gefangen, während wir unser Haus vergrößerten, einen Garten anlegten, herausbekamen, wie wir uns hier finanziell über Wasser halten können. Meine Hunde wurden alt und starben nach und nach. 

Je mehr die Verantwortung für andere Lebewesen schrumpfte (wir haben keine Katzen, Hühner und Enten mehr, und jetzt ist nur noch ein Hund übrig), desto öfter holte ich die Wanderführer aus dem Regal. Jeder Landkarte wohnt ein Versprechen inne. In diesen liegt auch eine Herausforderung. Was mich zu der Frage führte:  Wie fordere ich mich weiterhin heraus und wachse als Mensch, in meiner Persönlichkeit weiter, wo ich seit 2005 abgelegen im Wald lebe? Ich hatte gewusst, dass die Erfahrung als Ziehmutter von verwaisten Schwarzbären etwas war, das ich in meinem Leben brauchte und die ich in den 10 Monaten im Northern Lights Wildlife Shelter machte; eine Erfahrung, die mich immer noch nachts in meinen Träumen besucht, die meine Gefühle Bären gegenüber für immer verändert hat, weil ich Bären aus nächster Nähe kennengelernt habe.

Anscheinend brauche ich auch die Erfahrung, eine lange, lange Strecke Landschaft aus nächster Nähe kennenzulernen, denn der Reiz einer Fernwanderung ist in den 18 Jahren kein bisschen verblasst. Ich bin gespannt, wie diese Erfahrung wird. Da unser Hund schon 11 ist und sein Futter tragen müssen wird, wagen wir uns nicht an den PCT, sondern werden unser Glück mit dem Arizona Trail versuchen. Der ist vergleichsweise kurz, nur 1.300km lang, aber nicht so gerammelt voll, wie der PCT es inzwischen ist. 

Es hat auch Vorteile, dass ich 18 Jahre mit dem Fernwandern gewartet habe. Campingausrüstung ist inzwischen federleicht geworden, kein Vergleich mehr zu den massiven Lederstiefeln und gigantischen Rucksäcken von früher. Mit leichterem Rucksack zu wandern ist wesentlich schonender für den Körper (an dem die 18 Jahre auch nicht spurlos vorüber gegangen sind). Wir werden sehen, wie es klappt! Jedenfalls ist das hier meine Ausrüstung, die sich zu etwas über 6kg ohne Essen und Wasser zusammenaddiert:

Rucksack: OspreyExos 48  - ohne Deckelfach 900g
Isomatte: Therm-A-Rest Z Lite Sol - kurze Version 290g
Schlafsack: Marmot Women's Phase 20 - regular size 820g 
Zelt: TarptentRainshadow - meine Hälfte vom 3-Personen-Zelt und Footprint: 800g 
Kocher: MSRPocket Rocket - meine Hälfte von Kocher, Topf, Gaskartusche, Besteck: 500g
Gewicht von Rucksack, Isomatte, Schlafsack, meinen Gewichtsanteil von Zelt und Kochkram: 3,3kg

Kleidung:
Selbstgenähte Coolmax-Fleecehosen 235g
Merrell Hiking Pants 284g
Selbstgenähte Regenhosen 140g
Selbstgenähte Regenjacke 160g
Selbstgenähtes Fleecehoodie 380g
Isolierte Jacke "Quechua" von Decathlon 355g
Selbstgenähte Fleeceweste 142g
Warmes Unterhemd von Odlo 162g
Leichtes T-Shirt 60g
Unterwäsche 150g
3x Tschibo-Wandersocken @ 24g/Paar = 72g
Fleecemütze 39g
Leichter Schal 24g
Selbstgenähte Fleecehandschuhe 39g
Selbstgenähte Moccassins 220g
Kleidung insgesamt ca. 2,3kg

Meine Wanderschuhe: Dynafit Feline Vertical Pro 250g

Krimskrams (Zahnpasta und -bürste, Klopapier, Sonnencreme, Wasserfilter und Kamera) macht dann noch mal ca. 1kg

Bin mir noch unsicher, ob ich statt der Merrell Wanderhosen meine grüne selbstgenähten mitnehme und den Wanderrock (130g) - Wanderröcke sind hier sehr beliebt, luftiger und leichter als Shorts:




Kommentare:

  1. Liebe Nicole, schön von dir zu hören.
    Der PCT, wäre ein Traum von mir. Aber mit dem Hund, davon wird allgemein abgeraten, auch beim Arizona Trail, schon alleine, weil es Passagen gibt, auf denen Hunde nicht erlaubt sind. Im Süden ist vor allem Wasser ein Problem. Wie wollt ihr das lösen? Ich liebäugele übrigens schon lange mit dem Appalachian Trail, da ist das Wasser Problem nicht so schlimm und es gibt auch Trail Angels, die helfen.
    Hast du bestimmt schon gecheckt:
    https://aztrail.org/explore/dogs-on-the-trail/

    Liebe Grüße
    Ilona

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, mit Hund ist es nicht so einfach, geht aber (falls du auch mit Hund wandern willst, kann ich dir per Email gern Tipps zum Wie und Wo geben - penarctica@gmail.com).
      Am AZT gibt es auch Trail Angels, allerdings bereiten wir uns seelisch drauf vor, zT 4-5Liter Wasser pro Person schleppen zu müssen. Wir werden kurz vor Wintereinbruch wandern, es wird also nicht mehr so heiß sein, aber wenn es Moldy zu warm ist, laufen wir frühmorgens ein paar Stunden, machen dann Siesta und gehen dann am Abend weiter. Wir haben uns Tipps von andern Hundehaltern geholt, die mit Hund den PCT, AZT und noch ein paar andere long distance hikes gemacht haben. Es geht schon, ist nur etwas komplizierter :)

      Löschen
  2. Anonym9/16/2018

    Liebe Nicole,

    wirst Du von unterwegs berichten? Wäre super, dann bekommen wir Daheimgebliebenen keinen Entzug. Ich wünsche euch dreien eine wundervolle Reise mit vielen bereichernden Erfahrungen.

    Viele Grüße aus Würzburg

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, ich werde es versuchen :) Sicher nicht während der Wanderung, aber hoffentlich davor und danach!
      Danke dir fürs Lesen ;)

      Löschen