10.11.18

Oh Utah!


Endlich sind wir den Winter losgeworden! Allerdings nicht, bis wir bereits in Utah waren, wo wir auch unseren ungewollten Reiserhythmus (zwei Tage weiterkommen, dann drei Tage lang wegen Schneesturm oder kaputtem Auto feststecken) brechen konnten.

 Den ganzen Weg lang durch Montana, Wyoming und Utah sind die Menschen äußerst nett und hilfsbereit uns gegenüber gewesen. Wayne, dem der J.A.R.R.-Abschleppdienst und Autoreparatur in Choteau, Montana, gehört, übertraf sie alle mit seiner Hilfsbereitschaft. An diesem schönen, allerdings gottverlassenen Fleckchen Erde ist uns das Auto verreckt: 
 
Es stellte sich heraus, dass sich die Benzinpumpe unseres Pickups die windgepeitschten Felder von Westmontana zum Verrecken ausgesucht hatte. Wir verbrachten schließlich drei Tage in Choteau, einem Städtchen, an dem die Zeit seit den 1960er Jahren fast unmerklich vorbeigegangen zu sein schien, während Wayne in seinem eigentlich solide gebuchten Terminkalender genügend Luft machte, um uns eine neue Benzinpumpe einzubauen. Nicht nur das – er hat auch die temperamentvollen Rücklichter unseres Campers dazu gebracht, endlich verlässlich zu funktionieren. Als wir schließlich das Städtchen verließen, waren wir mit Wayne schon fast verbrüdert.    

Unsere Tageswanderungen, so weit, wie Chris‘ Knie erlaubte, führten uns immerhin etwas in die Wildnis von Yellowstone (wo ein weiterer Schneesturm einen Tag lang alle Straßen blockierte). Die zahllosen dampfenden, zischenden und blubbernden Quellen und Geysire kamen uns mit unseren halberfrorenen Fingern und Zehen sehr verführerisch vor!

Und dann … kamen wir nach Utah. 


Ich hatte nicht erwartet, dass mich das mit Wüstenbeifuß und Wachholderbüschen bewachsene Ödland, die Kliffs in Sonnenuntergangfarbe und verwunschene Welt der engen Canyons so überwältigen würde. Unsere drei-Tages-Wanderung im Paria Canyon und Buckskin Gulch war ein wahnsinns Erlebnis:

Den Paria Canyon zu durchwandern heißt, die Hälfte der Zeit im 10 bis 40 cm tiefen Wasser zu laufen – und das Wasser war kalt! 

So kalt, dass es selbst meine kanadischen Zehen betäubt hat, und zwar so extrem, dass ich mir am zweiten Tag ohne es zu merken den Fuß verstaucht habe. Plötzlich war der linke elefantengroß und tat weh! Die acht Meilen am nächsten Tag rauszuwandern war aber trotzdem kein Problem, denn der Paria hat das durch ihn verursachte Problem mit demselben Mittel (Kälte) behandelt. Mit völlig gefühllosen Füßen kehrte ich zurück.  
Wir hoffen, dass unsere alternden Glieder trotz der momentanen Wehwehchen Ende November/Anfang Dezember eine Teilstreckenwanderung auf dem Arizona Trail zulassen. Ich kehre Utah etwas widerstrebend den Rücken, den roten Sandstaub auf der Haut und Kopf und Herz voller Bilder.

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